2000 bis 2010
IfR-Internetpreis
Begründung

Die Raumplanung misst traditionell den sozialen und partizipatorischen Aspekten der Planung einen hohen Stellenwert bei und war dem Einsatz neuen Medien gegenüber schon immer aufgeschlossen. Das Internet bietet in diesem Zusammenhang bisher nicht vorstellbare Möglichkeiten der multimedialen Information und Kommunikation mit den Bürgern. Durch die Darstellung von planungsbezogenen Informationen im Internet besteht die Möglichkeit, einer breiten Bevölkerungsschicht Informationen zu Entwicklungen und geplanten Veränderungen des Planungsraumes zur Verfügung zu stellen. Hierdurch kann die planende Institution kommunikativer und die lokale Demokratie gefördert werden. Das Internet ist hierbei jedoch nicht als Ersatz für bisherige (konventionelle) Formen der Bürgerbeteiligung zu verstehen. Vielmehr stellt das Internet eine sinnvolle Ergänzung und Abrundung dieser Beteiligungsformen dar.

Das Internet als Medium findet in immer stärkeren Maße Verbreitung und wird von der Bevölkerung als Informationsquelle genutzt. Gleichzeitig stellen sich immer mehr Kommunen mit einer eigenen Homepage im Internet dar. Häufig werden jedoch "nur" Informationen zur Kommune, zum Kreis bzw. zur Region bereitgestellt (Stadtmarketing) bzw. Ansprechpartner in der Verwaltung genannt. Für die Einbeziehung der Darstellung von planungsbezogener Aktivitäten auf der Homepage der planenden Institution fehlen oft gute Umsetzungsbeispiele bzw. ein genereller Anreiz.

Zu den Zielen des Informationskreises für Raumplanung (IfR), als bundesweit wirkende Vereinigung von Raumplanerinnen und -planern, gehört es, aktuelle (raum)planerische Entwicklungen aufzugreifen, zu diskutieren und weiterzuentwickeln. In diesem Sinne kann Bürgerbeteiligung im Internet dazu beitragen, dass die Akzeptanz städtebaulicher Planungen durch die Bevölkerung erhöht und der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern intensiviert wird.

Die Vermittlung planungsbezogener Informationen und die Bürgerbeteiligung mit Hilfe des Internets bieten sich an, da das Internet gegenüber anderen Medien insbesondere über folgende Vorteile verfügt:
  • Entkopplung der (bisherigen) Zeit- und Ortsgebundenheit der Bürgerbeteiligung, d.h. die Informationen sind 24 Stunden am Tag verfügbar. Die Bürgerbeteiligung passt sich an individuelle Lebensmuster der Bürgerinnen und Bürger an (und nicht umgekehrt).
  • Bürgerinnen und Bürger können Themen und Beteiligungstempo selbst bestimmen,
  • Gleichzeitige Beteiligung von vielen Nutzern möglich,
  • Informationszugriff aus unterschiedlichen Netzen und Rechnern, d.h. Lösung von vorgegebenen Beteiligungsorten (Ortsunabhängigkeit)
  • Vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten (Aufmerksamkeit durch Oberflächengestaltung),
  • Vernetzung mit anderen Informationsquellen (Hypertextfähigkeit).
Bei der Informationsvermittlung kann auch die Möglichkeit des Internets genutzt werden, über sogenannte "Links" Informationen anderer Quellen mit den vorgestellten Planungen zu verknüpfen. Insgesamt entsteht so ein Netzwerk mit planungsbezogenen Informationen. Diese Art der Informationsvermittlung bietet sich insbesondere für die Raumplanung an, da sie über vielfältige Beziehungen mit anderen Fachdisziplinen verknüpft ist. Eine lineare Anordnung von Informationen (ohne Querverweise) erfordert vom Leser das "Abarbeiten" der Informationen in einer vorgegebenen Reihenfolge, durch die "Links" kann der Leser von dieser linearen Struktur abweichen und ggf. (je nach Wissensstand) in andere Informationsquellen abzweigen. Bürgerinnen und Bürger besitzen somit mehr Freiheitsgrade zur Steuerung der Informationssuche.

Der Informationskreis für Raumplanung verfügt nicht nur über umfangreiche Kenntnisse in der interdisziplinären und komplexen Wirklichkeit von Raumplanung, sondern besitzt auch im Bereich der neuen Medien einen fundierten Kenntnisstand und hat die Diskussion über die Bedeutung des Internets für die Raumplanung aktiv vorangetrieben. Der IfR unterstützt die Auseinandersetzung in diesem Themenfeld durch
  • den Arbeitskreis Raumplanung und EDV, jetzt Netzwerk "Instrumente und Methoden computergestützter Planung" (imp)
  • das Kolloquium des AK EDV 1996: "Planung zu Zeiten der Informationsgesellschaft. Wie kann Planung die Kommunikations- und Informationstechniken des Internet nutzen?"
  • das Kolloquium des AK EDV 1998: "Mehr Bürgerbeteiligung durch Einsatz kommunaler Informationsserver im Internet"
  • die Veröffentlichung RaumPlanung spezial 2 (1998) "Bürgerbeteiligung im Internet"
  • die IfR-Jahrestagung 1999 "Planung - Interaktion - Kommunikation"
  • die Veröffentlichung RaumPlanung spezial 3 (1999) "Planung - Interaktion - Kommunikation"
Dem Informationskreis für Raumplanung, als Interessensvertretung von über 1.500 Raumplanerinnen und -planern, ist es darum sehr gut möglich, die Qualität der planungsbezogenen Informationen sowie Ihre Darstellung im Internet zu beurteilen.

Die Ausschreibung eines Internet-Preises für die in hervorragender Weise umgesetzte Vermittlung planungsbezogener Aktivitäten im Internet ist ein weiterer Schritt zur Förderung der Neuen Medien in der Raumplanung.

Der Informationskreis für Raumplanung will mit der Vergabe des "IfR-Internet-Preises" dazu beitragen, die Bedeutung des Internets für die Planung zu verdeutlichen, bereits existierende Ansätze honorieren und weiteres Engagement anregen. Gleichzeitig bietet sich hier die Möglichkeit, den Stellenwert der Raumplanung für eine nachhaltige Entwicklung der kommunalen bzw. regionalen Räume zu verdeutlichen. Die Vermittlung planungsbezogener Aktivitäten im Internet kann dazu beitragen, der Raumplanung zu einem angemessenen Stellenwert im öffentlichen Bewusstsein zu verhelfen.

Stand: 26. Januar 2009